Die Suche nach dem eigenen Weg …

Als ich ein Kind war, waren es meine Eltern (manchmal auch die Großeltern) und Lehrer, die eine gewisse Vorstellung von dem hatten, was aus mir einmal werden, wohin mich mein Weg führen sollte. Auf jeden Fall sollte ich auf eigenen Füßen stehen können – etwas, das meiner Mutter sehr wichtig war, weil sie meinem Vater immer zugearbeitet, und deshlab finzanziell immer von ihm abhängig geblieben war.
Nach zwei Brüdern, die in der Schule die schulischen Leistung verweigerten (nicht, weil sie nicht gekonnt, sondern weil sie nicht gewollt haben), war meine Rolle quasi festgelegt: den bestmöglichen Abschluss, eine gute berufliche Ausbildung und eine Arbeit, die mir die Sicherheit einen guten Ein- und Auskommens sichern würde.
Kreativität, die, wie ich heute weiß, ein fester Bestandteil meine Persönlichkeit ist und auch früher schon deutlich erkennbar war, sollte auf keinen Fall den Ausschlag geben. Maskenbildnerin (mein Traumberuf) kam aus der Sicht meiner Eltern aus vielerlei Gründen nicht in Betracht: schlechte Ausbildungsmöglichkeiten in der Umgebung (und nach Mainz oder München wollten sie mich nicht ziehen lassen), schlechte Arbeitszeiten und natürlich eher mäßige Bezahlung war nicht das, was meinen Eltern vorschwebte. Dass ich mich trotzdem durchsetzte und zumindest schon einmal den Friseurberuf erlernen wollte, hat meine Mutter dann dazu veranlasst, den besten Friseur in unserer Gegend dazu zu bewegen, mich in die Ausbildung zu nehmen, damit ich, wenn ich schon einen solchen Beruf erlerne, wenigsten die bestmögliche Ausbildung erhielt.
Begeistert waren sie beide dennoch nicht.
Als sich in der Mitte der Ausbildung abzeichnete, dass ich den Friseurberuf zwar sehr mochte, aber sich die Aussicht abzeichnete, zur Ausbildung als Lehrerin beitragen zu können, war die Welt meiner Eltern wieder in Ordnung. Ich machte Abitur auf dem zweiten Bildungsweg und wurde schließlich Berufsschullehrerin – alle Wünsche meiner Eltern waren erfüllt.
Ich habe meine Tätigkeit als Lehrerin die ersten Jahre sehr genossen, weil ich zumindest zum Teil meine Kreativität in die Unterrichtsgestaltung einfließen lassen konnte.
In dem Maß, in dem die politischen Eingriffe zunahmen, schwand meine Freude und die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, wie ich den Stoff vermitteln wollte – Kreativität adé!
. Schließlich machte mich der dauernde Stress krank und am Ende ging ich mit 60 in den vorgezogenen Ruhestand, wohl wissend, dass ich einiges an Abzügen haben würde – Gott sei Dank habe ich mich an diesem Punkt für mich und meine Gesundheit entschieden.
Nun ist, wie du vielleicht auf meiner Webseite sehen kannst, meine Kreativität zurück – dafür bin ich sehr dankbar!
Soweit meine Geschichte.

